Vor­trag auf der SDD-Jah­res­ta­gung: Deutsch­un­ter­richt und Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung (Sek­ti­on 3) (Re­view­ver­fah­ren)

Laura Drepper & Elvira Topalović
Universität Paderborn

In der weltumspannenden „Agenda 2030“ mit ihren 17 globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung (vgl. www.bmz.de/de/agenda-2030) soll das vierte Ziel inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sichern. Diesem ordnen Grimm & Wanning (2021, S. 86) „soziale, kognitive, emotionale, empathische und konative Prozesse rund um das Thema Nachhaltigkeit“ zu. Nachhaltige Bildung und mit ihr der Lernbereich „Globale Entwicklung“ (vgl. Engagement Global 2016) sind entsprechend ein zentrales Querschnittsthema von Schule: Kinder und Jugendliche sollen dazu angeregt werden, zukunftsfähig zu denken und zu handeln; schulisches Lernen wäre dann immer auch zukunftsbezogenes Lernen. Im Gegensatz zur Literaturdidaktik, die an literatur- und kultur­wissenschaftliche Diskurse anknüpft und Nachhaltigkeitskonzepte mit Kinder- und Jugend­literatur verbindet (vgl. z.B. die Beiträge in Kruse & Kanning, 2023; Ritter, 2020), sind genuin sprachdidaktische Thematisierungen noch rar oder erfassen die prozess­bezogenen Kompetenzen Lesen, Schreiben, Sprechen und Zuhören noch zu wenig als mögliche Schwerpunkte (zur Kritik vgl. Böhm, 2023). Wir untersuchen in unserer Studie explizit die Perspektive von Lernenden und verbinden zukunftsbezogenes Lernen mit Schreiben über Nachhaltigkeit und damit mit sprachlichem Lernen. Ausgehend von vier Impulsen wurden acht Klassen eines 5. Schuljahrs (Gymnasium und Gesamtschule) gebeten, ihre Gedanken für eine nachhaltige Gestaltung des Schullebens in einem Brief zu verschriftlichen. In einem sowohl inhalts- als auch textanalytischen Zugriff (vgl. Mayring, 2022; Brinker et al., 2018) werden 190 Texte (Schuljahr 2021/22) kriteriengeleitet untersucht. Leitend sind dabei die folgenden Fragen: Welche nachhaltigkeitsbezogenen Themen werden von den Lernenden entfaltet? Wie versprachlichen sie ihre Ideen zum nachhaltigen Schulleben sprach- und textstrukturell? Ein erster Blick in die Ergebnisse zeigt, wie differenziert sie Nachhaltigkeit thematisch und sprachlich-kommunikativ fassen. Exemplarisch seien zwei Korpusbelege angegeben (orthographisch angepasst):

  1. PADa-7: „Ich wäre zum Beispiel dafür, keine Arbeitszettel mehr herzustellen, weil die Papier verbrauchen, sondern nur noch an Tablets zu arbeiten. […] Ich wäre auch für E-Taxis und Glasdächer in den Schulen, damit man keinen Strom für Licht braucht.“
  2. PADa-118: „Ich nehme Essen in einer Dose mit und Trinken in einer Flasche. Ich fahre mit dem Fahrrad zur Schule. Wir pflanzen Gemüse an.“

Anhand der Analyseergebnisse wollen wir mögliche Implikationen für eine nachhaltige Bildung beim sprachlichen Lernen diskutieren und konzeptuelle Schnittstellen in einem „Deutschunterricht für nachhaltige Entwicklung“ (vgl. Böhm, 2023, S. 7) aufzeigen.

Literatur

Böhm, F. (2023). Über Klimawandel nachdenken – Über Klimawandel sprechen – Vom Klimawandel erzählen. Durch drei Perspektiven zu einem Deutschunterricht für nachhaltige Bildung. leseforum.ch, 2. doi.org/10.58098/lffl/2023/02/788

Brinker, K., Cölfen, H. & Pappert, St. (2018). Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. Berlin: Erich Schmidt.

Grimm, S. & Wanning, B. (2021). Bildung für nachhaltige Entwicklung in und durch Sprache und Literatur. In Mattfeldt, A., Schwegler, C. & Wanning, B. (Hrsg). Natur, Umwelt, Nachhaltigkeit. Perspektiven auf Sprache, Diskurse und Kultur (S. 85–100). Berlin: De Gruyter. https://doi.org/10.1515/9783110740479-004

Engagement Global 2016 = Engagement Global. Service für Entwicklungsinitiativen. Im Auftrag der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Hrsg.) (2016). Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Ein Beitrag zum Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Berlin: Cornelsen.

Kruse, I. & Kanning, J. (2023). „So viel Größenwahn muss sein!“ Kinderliteratur – Schule – Gesellschaft. München: kopaed.

Mayring, Ph. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Beltz. doi.org/10.1007/978-3-531-92052-8_42

Ritter, M. (Hrsg.) (2020). Krisenmodus oder Lifestyle? Umwelt und Naturschutz in der Kinder- und Jugendliteratur. Themenschwerpunkt. kjl&m, 72/4